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Psi-Resümee

Paul Uccusic


Ariston, 1975 - ISBN 3720511359


Ein Fall:  Uri Geller

Ob typisch für die Psi-Forschung oder nicht, das möge die Nachtwelt entscheiden. Ein fall ist er jedenfalls, der Uri Geller.
  Zu dem zeitpunkt, da dies geschrieben wurde (Frühjahr 1975), gehörte es zum guten Ton, den schwarzhaarigen Israeli als schwindler zu entlarven. Das besorgte mehr oder weniger dieselbe Journaille, die ihn ein Jahr zuvor hochjubelte: dieselben Personen, die vor dem vielverehrten auf dem Bauch lagen, um doch ein interview zu erhalten. Das ist weitgehend vergessen - dank eben dieser Journaille. Ich darf das unangefochten sagen, denn ich kenne das metier.
 Die, die schnell verdammen, auf Argumente nicht hören und sich von Vorurteilen leiten lassen, gibt es freilich auch anderswo. Es ist gewiß nicht leicht, mit Uri Geller zu arbeiten. Er ist "schwierig", sprunghaft, unstet, inkonsequent, inkohärent und meistens dazu noch indolent. Da er sich kaum mit sich selbst befaßt, hat er weder sich noch seine Fähigkeiten unter Kontrolle. Er läuft dem Lärm, den geld und den Mädchen nach.
 Wer aber wissenschaftlich als parapsychologe arbeiten will, hat mit schwierigen persönlichkeitsstrukturen zu rechnen. Noch jeder sensitive, mit dem ich bekannt wurde, warirgendwie "schwierig" - ähnliches beobachten sehr viele Parapsychologen. Jedoch darf ein Wissenschaftler, der die Zusammenarbeit mit einem bestimmenten medium ablehnt, durchaus auf Verständnis rechnen. Im Fall Geller trifft das auf Mitchell zu - er fand keinen Zugang zu Gellers, Persönlichkeit. Befürchtend, diese seine Einstellung könnte auf die Ergebnisse rückwirken, führte Mitchell außer einem kurzen Versuch keine weiteren mit Geller durch.
 Andere haben versucht, an Geller heranzukommen - der Israeli wollte nicht. Andere wieder liefen Geller nach, aber es kam zu keinem Zusammentreffen. Einer der Abgewiesenen veröffentlichte dennoch (davon ist weiter unten die Rede): Der Hanlon-Bericht zeugt, wenn schon nicht von anderem, so doch von Frustration. Das aber ist ein Luxus, den sich ein Psi-Forcher nicht leisten darf. Als Entsschuldigung mag gelten, daß Hanlon gelertner Physiker und nicht Psychologe ist - weshalb Frustration für ihn keine Kategorie sein mag.
 Andere wieder haben versucht, sich an Geller hochzuranken, an seinem Ruhm mitzunaschen, ihn zu "managen" - zweifellos eine Folge der schuldhaft geduldeten Zirkusatmosphäre, die Geller überall umgibt. Er will's so haben suum cuique.
 Wie aber sol man an einen solchen schwierigen Fall herangehen? Die antwort ist einfach: Wie an jeden anderen.
 Zunächst muß persönlicher Kontakt hergestellt werden. Das ist, wie Forscher in Ost und West wissen, ser wichtig. Eine vertrauensbasis hat nichts mit Absprache, mit bewußter Betrugsabsicht zu tun. Es sollen Paraphänomene untersucht werden; dar aber niemand deren Ursachen genau kennt und ihr Auftreten nicht gut zu steuern ist, man aber um den hemmenden Einfluß feindseliger Einstellung weiß, wird Offenheit verlangt. Das hat wieder nichts mit bedingungloser Gläubigkeit zu tun. Das Medium muß sicher sein, nicht falsch verstanden, mißinterpretiert oder hintergangen zu wurden. Wenn man sich als Forscher auch niemals die Versuchsbedingungen darf aus der Hand nehmen lassen, so muß man doch des Mediums Wünsche zumindest anhören und rückhaltslos besprechen. Sich die Bedingungen diktieren zu lassen (Wie im Fall Geller/SRI), istoffensichtlich falsch. Herrscht auf dieser Ebene notwendiger Grunvoraussetzungen Übereinstimmung, kahn die Arbeit losgehen.
 Sodann wird der Forscher aus Gründen der Arbeitsökonomie festzustellen versuchen, ob sich bestimmte Leistungen gezielt erbringen lassen oder spontan einstellen. Bei einigermaßen steuer- und wiederholbaren Vorgängen ist die Versuschsanordunung zumeist simpler, bei Spontanphänomenen wird apparativer und menschlicher Aufwand oft lästig umfangreich.
  Im Fall Geller wird nun der Forscher sehr bald erfahren, daß die meisten Erscheinungen im Experiment herbeifuhrbar sind. Die Versuchsanordnung ist leicht so zu gestalten, daß das Medium bei einem Hellsehversuch keinerlei Einfluß auf de zu erkennenden Vorlagen hat oder daß ihm bei einem PK- Versuch fabriksneue Besteckteile vorgelegt werden, die tunlichst zuvor von Physikern, Technikern und chemikern geprüft wurden.
 Fernsehdarbietungen kommen nur in den seltensten Fällen unter Bedingungen zustande, die denen in einem parapsychologischen Laboratorium ähneln. Im deutschen Fernsehen (ZDF) trat Geller im Rahmen der Wim-Thoelke-Show auf; das Bestecktablett wurde kurz zuvor willkürlich zusammengestellt. Der Requisteur gab an, sämtliche Teile neu gekauft zu haben. Dasselbe gilt für die Auftritte im Schweizer (SRG) und im österreichischen Fernsehen (ORF). Hier hat Geller vor der sendung nachweislich niemals unkontrolliert zu den Gegenständen Zutritt. In Wien wurde sogar ein offizieller Vertreter der Uhrmacherinnung an einen Tisch mit Geller gesetzt. Der Uhrmachermeister hatte eine Uhr absichtlich gangunfähig gemacht; aber Uri schaffte es doch, während der sendung die Uhr zum Gehen zu bringen. Der Nagel, den der Uhrmacher quer durch Werk, Unruhe und zeiger geschlagen hatte und der "nach menschlichem Ermessen" nicht zu lockern war, lag im Gehäuse - wie das vor sich gegangen sein mochte, weiß bis zur Strunde niemand.
 Spontanphänomene - also Erscheinungen, die unbeabsichtigt sind - treten freilich zusätzlich auf. Bei Geller war dies wiederholt der Fall, und jeder Forscher hat darauf gefaßt zu sein -, darüber ist noch zu reden.


Wer ist Uri Geller?


 Uri Geller erblickte am 20. Dezember 1946 (die Uhrzeit wird nicht überliefert, was viele Astrologen bedauern) in Tel Aviv das Licht dieser Welt als Sohn des Jitzchak und der Margarete Geller. Ursprungsland der Familie ist Ungarn. Dort lebte noch Anfang 1974 Uris Großmutter; in der Fernsehsendung des ORF sprach er ein paar Worte ungarisch, seinen Verwandten in Budapest zum Gruß.
 Mit Details aus seinem Leben war er nie sehr freigiebig. Neugierige Journalisten verwies er auf sein kommendes Buch "Uri" des approbierten Biographen Puharich. Dieser, ein Dr. med., Neurologe und Inhaber von etwa 60 Patenten auf dem Gebiet elektronischer Hörhilfen, befaßt sich seit 1948 mit Parapsychologie. Es ist vielleicht nützlich, auch über Puharich ein paar Worte zu verlieren.
 Andrija Henry Puharich wurde am 19. Februar 1918 in Chicago geboren. Er absolvierte die Northwestern University Medical School und praktizierte zunächst als internist am Permanent Hospital in Kalifornien. Er führte zahlreiche Telepathieexperimente mit dem bekannten amerikanischen Medium Eileen Garrett und dem Holländer Peter Hurkos (der jetz in Kalifornien lebt). Die Experimente mit Harry Stone in Faradayschen Käfigen gelten inzwischen als klassisch, später untersuchte er die Wirkungen des "heiligen Pilzes" der Chatino-Indianer in Mexiko und veröffentlichte darüber ein Buch (470). Er wurde schließlich Adept der hawaiianischen Kahunas, arbeitete mit dem brasilianischen Psi-Heiler Ze Arigo (Kapital 10) und kam, wie er selber schreibt, in Kontakt mit UFOs.

 Das ist es nun, was ihm die Mißachtung der großen amerikanischen Parapsychologengemeinde eingetragen hat. Mrs. Eileen Coly, die präsidenten der Parapsychology Foundation in New York und Tochter jenes Mediums Eileen Garrett, das Puharich so ausführlich untersuchte, wird spürbar zurückhaltend, als ich sie über den Neurologen aus Ossining, New York, befrage: Wozy ich denn seine Adresse brauche? Mr. Puharich sei doch starker Kritik ausgesetzt, wolle ich meine Zeit so verschwenden? Ich insistiere auf der Anschrift, erhalte sie schließlich. (Puharich konnte ich dennoch nicht besuchen: er war unter der angegebenen Adresse nicht erreichbar.)

 Dieser Puharich nun ist der erste nichtisraelische Forscher, der Uri Geller in die Hand bekommt. Er macht einmal ein paar vorversuche, beschnüffelt in Israel seinen Fang gründlich, und Uri tut dasselbe mit dem mähnigen Forscher. Geller kommt zu folgendem Ergebnis (471; 83): "Lieber Andrija, ich habe dich studiert wie du mich. Ich habe vor dir keine Professoren gekannt, und so weiß ich nicht, was für sie wichtig ist ... ich habe dir zugehört, du sprachst über Forschung, die seele, die Entwicklung und alle diese Dinge - aber ich habe nichts verstanden. Warum ist est so wichstig, die seele kennenzulernen und meine Kräfte? Alles, was ich will, ist Geld verdienen - so viel Geld, daß mir niemand anschaffen kann, was ich tun sol. Ich möchte frei sein. Ich möchte einen Wagen haben, so daß ich reisen kann, wann ich will. Ich möchte meine eigene Wohnung haben, so daß ich weiß, wo ich nachts schlafen kann. Möglicherweise verstehst du nicht, wie wichstig diese Dinge für jemanden sind, der ihrer enträt. Du mußt mein Leben verstehen. Mein Vater, Gott hab ihn selig, hatte zeit seines Lebens keinen luckersten Piaster. Er war immerSoldat ... er verließ meine Mutter, als ich noch klein war, und meine Mutter mußte für unser Essen und unser Dach über dem Kopf hart arbeiten..."

Uris Monolog füllt fünf Buchseiten und am schluß muß selbst sein "Entdecker" über soviel Borniertheit den Kopf schütteln: "Jitzchak und ich sahen einander an und versuchten eine Antwort für diesen unverschämten Ischüchtigen zu finden. Unsur Uri-Problem war vielschichtig. Einerseits mochten wir ihn persönlich wegen seiner Aufrichtigkeit und seines bübischen Charmes sehr gern, anderseits waren wir betrübt ob seiner kurzsichtigen und primitiven Lebenseinstellung und seiner verzweifelten Gier nach Sicherheit und Anerkennung. Eine Antwort zu finden, war verzwickt, so schlug ich vor, nach Jaffa zum Essen zu fahren ... "Das war eine zweifellos geniale Lösung, vergleichbar der in Meyrinks ""Golem": weder ja noch nein zu sagen, sondern ein drittes zu tun.

 Diese Charakteristik Gellers ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Erstens ist sie zeimlich vollständig; ich kann ihr nichts Wesentliches hinzufügen.
  • Zweitens stammt sie von Gellers autorisiertem Biographen, ist also von Geller approbiert.
  • Drittens drückt sie in Uris eigenen Worton alles Wissenswerte über ihn aus.
  • Und viertens zeigt sie, daß Puharich zumindest in diesem Punkt kritisch ist und Uri Geller durchaus nicht durch eine rosarote Brille seiht.

     Bei anderen Dingen aber wieder nimmt er es nicht so genau, etwa wenn Uri Geller als eine Episode aus seiner Kindheit erzählt, irgendwann sei einmal ein UFO gelandet, es seien Leute drin gewesen, die sich mit ihm in Verbindung gesetzt hätten ...
     Das kam Puharichsehr bekannt vor, hatte er doch selbst einige Jahre zuvor in Brasilien UFO-Erlebnisse. Und so etwas unter UFO-Fans in Zweifel ziehen zu wollen, ist wahrscheinlich unstatthaft ...
     Das ist der Hauptgrund, daß Puharichs Uri-Buch mehr einer Münchhauseniade als einer wissenschaftlichen Arbeit ähnelt, daß er eine Menge Kritik einstecken muß und sich ein Verleger für eine Übersetzung ins Deutsche partout nicht finden wollte. Psi - ja, dematerialisierte Tonbandkassetten - geht noch an, Stimmenphänomene auf den Tonbändern - auch noch. Aber Extraterrestrische, die ihre Eizes für Andrija und Uri auf Band sprechen und deren Bänder dann vernichtet werden müssen beziehungsweise sich in einer Art Automatik gleich selbst vernichten? Das ist in deutschen Landen allemal noch starker Tobak. Besonders, nachdem zuerst fünf-, später vierstellige Dollar-Tantiemen verlangt wurden.
     Einige Botschaften sind überdies halb politischen inhalts, etwa die nach einem Hypnoseversuch mit Uri zustande gekommene: "Ich blicke nun über die Ebene in Sinai, wo riesige Mengen von Panzern fahren. Grieft zuerst an! Zögert nicht! In Khartum und Ägypten konnte es viele Tote geben. Sadat wird von seinen Offizieren abgesetzt werden. Syrien wird angreifen. Jordanien wird nicht intervenieren. Es wird viele ägyptische Soldaten in Jordanien geben. Du, du bist der einzige, der die Menschheit retten kann. Die Erde wird vom Menchens selbst in die Luft gejagt, nicht durch uns. Uri, dir wurden unermeßliche Kräfte geschenkt, du kannst alles und jedes tun. Uri, du bist sehr mächtig . Ich werede dich rufen, wenn ich dich brauche."
     Die kommunistische Wiener "Volksstimme" gab denn auch nach Uris Auftritt im österreichischen Fernsehen einem breiten Kommentar Raum, in dem Geller "Gesundbetter ber Bourgeoisie" genannt wird: "Mann muß die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen haben, auch nicht mit verbogenem, um zu bemerken, daß ausgerechnet zum Zeitpunkt einer weltweiten Isolierung des Aggressors Israel und des militärpolitischen Debakels der Regierung Meir-Dayan der ehemalige israelische Fallschirmspringer im Sechstagekrieg Uri Geller als unterschwellige psychologische Wunderwaffe eingesetzt wird ... " (Volkisstimme, 7. 3. 1974).
     Ein Kommentar erübrigt sich.
     Viel sehwerer als ideologische Einwände wiegt jedoch, daß Puharich keine anderen Erklärungsmöglichkeiten in Erwägung zieht. Die stimme aus Uris Mund ist, sagt er, völlig verschieden von seiner gewöhnlichen: das ist im Beweis genug für deren außerirdische Provenienz. Schließlich verkehren jene extraterrestrischen Intelligenzen "Spectra" auch direkt mit Puharich, indem sie die Zeiger seiner Armbanduhr plötzlich stoppen oder beschleunigen. Tun sie das, hat Puharich sofort zu beten, damit Sadat nicht einen neuen Krieg gegen Israel beginne (dieser, so wurde Puharich angezeigt, sei für den 26. Dezember 1971 vorgesehen). Der Kreig bricht nicht aus, und Puharich ist glänzend bestätigt : seine Gebete haben gewirkt!
     Wer staudenmaiers und anderer ernsthafter Naturforscher Arbeiten über die Zentren des Unterbewußtseins und deren magische Fähigkeiten gelesen hat, dem drängen sich natürlich andere Deutungen auf. Wer mag annehmen, daß Puharichs Erzählungen stimmen? Daß also das Geschilderte wahr, "wahrnehmbar" im Sinn Einsteins ist?

     Erwas wissenschaftlicher gingen Russell Targ und Harold Puthoff ze werk. "Etwas" bedeutet: auch ihre Arbeit hat Lücken.
     Es ist jene Publikation, die in "Nature" veröffentlicht wurde und damit Geschichte machte - es war die erste parapsychologische Arbeit in diesem Naturwissenschaftlichen Magazin.
     Da fehlt zum Beispiel das Datum der Tage, an denen mit Uri Geller gearbeitet wurde - man kann nur vermuten, daß die Tests im Sommer 1973 stattfanden. Andere Einwände machen die Herausgeber selbst in ihrem Leitartikel, der recht hübsch das naturwissenschaftliche Selbstverständnis in Relation zur Parapsychologie wiedergibt:

     "Die Abhandlung war schwach in Anlage und Ausführung ... die Autoren scheinen aus früheren (negativen) Erfahrungen von Parapsychologen nichts gelernt zu haben ... Öffnung eines Wörterbuches nach einem Zufallssystem ist ein kindlicher, vager und unnötig angreifbarer Weg, Zufallsverteilungen herzustellen ... das zeigt einen Mangel an experimenteller Geschicklichkeit, der leicht zur Ursache anderer Fehler werden konnte, die aus dem Geschriebenen weniger klar zutage treten."
     Trotzdem entschied sich "Nature" für die Veröffentlichung: "Die Arbeit wird von zwei qualifizierten Wissenschaftlern einer bedeutenden Institution vorgelegt ..., die versucht haben, unter Laboratoriumsbedingungen Erscheinungen zu untersuchen, die vielen Wissenschaftlern unglaubwürdig erscheinen, die aber nichtsdestoweniger der Untersuchung wert sind, auch wenn dies zu nagativen Ergebnissen führen sollte. Wenn Wissenschaftler die Möglichkeit außersinnlicher Wahrnehmung diskutieren, dann ist der Gegenstand klarerweise eine Angelegenheit wissenschaftlicher Untersuchung und Berichts. Schließlich ging der Arbeit der Autoren ungewöhnliche Publicity voraus, unterstellend, das Stanford Research Institute arbeite in größtem Maßstab an parapsychologischen Projekten ... diese Arbeit rückt diese Vermutung in ein besseres Licht ... es beweist die Begrenzheit der Forschungsprogramme und der Daten ..."
     Eingebettet zwischen eine Abhandlung uber den Zweiten Wärmehauptsatz und die Stabilität eines Ökosystems berichten also Targ und Puthoff über ihre Versuche mit Geller und einem weiteren Sensitiven, Pat Price. Titel der Veröffentlichung: ..."Information transmission under conditions of sensory sheilding". Geller, die Versuchsperson, so wird mitgeteilt, wurde während der Versuche in einem isolierten Raum gehalten. Es war ihm unmöglich, optisch, akustisch oder elektromagnetisch mit der Außenwelt zu kommunizieren und die vorbereiteten Targets (oder diejenigen, die erst ausgewählt wurden, als er bereits in der Zelle saß) vorher zu sehen.
     Drei verschiedene Verfahren wurden für die Auswahl der Targets angewandt. Das erste (und besonders kritisierte) bestand darin, ein Wörterbuch aufzuschlagen und das erste Wort auszuwählen, das einen zeichenbaren Begriff ergab. so etwa wurden Dinge wie "Knallfrosch", "Weintraube" und "Brücke" gezeichnet und von Geller recht gut wiedergegeben. Da selbsverständlich zumindest eine Person der Forschergruppe (die sich immer außerhalb des abgeschirmten Raumes aufhielt) die Vorlage kannte, ist bei diesen Experimenten nicht zu unterscheiden, ob Telepathie, Hellsehen oder sogar unterschwellige "Normalreize" vorliegen.
     Ein zweites Verfahren bestand darin, eine Fülle von Zeichnungen im voraus anfertigen zu lassen, diese in mehrfach versiegelte Umschläge zu stecken und sie, gründlich gemischt, Geller vorzulegen. Da an fünf aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 100 solcher Vorlagen getestet werden sollten, wobei auf einen Tag 20 entfallen wären, paßte Geller angewidert (er "drückte sein Mißfallen über einen solchen Berg von Testvorlagen aus").
     Das dritte Verfahren verwendere ausschließlich den SRI-Computer. Dessen graphisches Programm "entwarf" drei Vorlagen: einen Drachen, eine Kirche und ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz. Gellers Antworten sind im ersten Fall sehr gut, in den zwei anderen weniger entsprechend.
    Was Gellers Metallbiegefähigkeiten anlangt, vermerken die Wissenschaftler lakonisch: "Obwohl in unserem Laboratorium Metallbiegen durch Geller beobachtet wurde, war es uns nicht möglich, solche Beobachtungen mit ensprechend kontrollierten Experimenten zu verbinden, die uns genügend Daten geliefert hätten, um die paranormal Hypothese zu untermauern."
     Das mag einem Außenstehenden erstaunlich vorkommen, ist aber insofern einer Erklärung zugänglich, als Sensitive Laboratorien als eher "feindlich" empfinden. Das hat nichts mit möglicherweise vorhandener unbewußter Furcht, als Scwindler verdächtigt zu wurden, zu tun. Est ist eher so, daß angesichts wissenschaftlichen Instrumentariums eine Art Lampenfieber aufkommt, die jene Teile des Körpers, die die Psi-Phänomene steuern, hemmen. Ein Wiener Universitätsprofessor, dir mir gestand, daß er sich seit Jahrzehnten mit paranormalen Versuchen beschäftige, sagte, die Befreagung seines Unterbewußtseins mit Hilfe eines Pendels werde von einem einzigen Skeptiker, der sich mit im selben Zimmer befinde, zemeist völlig unmöglich gemacht.
     Ebenfalls von hindernden Einflüssen, wenngleich von vielfältiger und anderer Art, weiß Joseph Hanlon im "New Scientist" ein Lied zu singen: Sien ganzer Bericht über Geller ist eigentlich eine Dokumentation der Nicht-Arbeit, der verpaßten Gelegenheiten, der Frustration.
     "New Scientist" installirete "ungewöhnlicherweise" eine Kommission, die Geller untersuchen sollte. Sie bestand aus einem Mitglied der Society for Psychical Research, einem Psychologen, einem Biologen (gleichzeitig Chefredakteur des "New Scientist"), einem Physiker (nÄmlich Joseph Hanlon), einem Stastiker, einem Gerichtsmediziner und einem Fachjournalisten. Trotz anfänglicher Bereitschaft zu Demonstrationen ließ Uri jedoch die Kommission Kommission sein und sie im Juni 1974 telephonisch aus New York wissen: "Ich habe meine Absicht geÄndert ... gerade jetzt habe ich nicht das Gefühl, daß ich mit Ihren Leuten arbeiten sollte." In England hält man auf Formen, und die wörtliche Wiedergabe Uris telephonischer Äußerung kann nicht anders als kritisch gemeint sein.
     Der folgende Kurzkommentar ist das beste aus 15 Seiten Hanlon, und die Kernsätze sind im folgenden wiedergegeben: "Ich bin überzeugt, daß der nächste interessante Durchbruch in der Wissenshaft wahrscheinlich hicht von teurer Forschung und Monsterteams in Physik und Biologie kommen wird, sondern von der Forschertätigkeit einzelner und kleiner Gruppen, die sich und den Menschen in Wechselwirkung mit seiner Umgegbung sehen. Biofeedback kann unseren Körper so kontrollieren, wie das noch vor nicht allzu langer Zeit allgemein als gänzlich unmöglich galt. Negative Ionen der Luft scheinen unsere Stimmungen zu beeinflussen usw. In den jüngst vergangenen Jahren wurden diese Gebiete, unter anderen die Parapsychologie, weniger das Tätigkeitsfeld von hoffnungsvollen Amateuren denn von gelernten Wissenschaftlern. Gleichzeitig wurde die große Wissenschaft, zum Teil auch mein eigenes Gebiet, die Hochenergiephysik, unanschaulich. Schließlicht rückt die kontinuierliche Kürzung der Forschungsgelder immer mehr jenen Wissenschaftler ins Blickfeld, der mit einem Minimum an Mitteln auskommt als den, der niemals die enormen Summen zusammenbringen kann, um noch höhere Energien in der Suche nach den Quarks einzusetzen.

     Hanlon also begann eigene Untersuchungen. Er sprach lange mit Targ, Puthoff, Mitchell und Mitchells Assistent John White; er gibt sogar eine Beobachtung Whites von der angeblichen Dematerialisation eines Stücks bimorphen Messingstreifens wieder - ein Phänomen, das der gleichfalls anwesende Puthoff nicht bestäigen konnte: "...es hätte leicht jemandem möglich sein können, dieses Stück zwischen den Versuchen abzubrechen, da es unbeobachtet lag ..."
     "Und doch", setz Hanlon fort, "glaubt Puthoff implizit an Geller. Ein Ereignis, das ihn überzeugte: Er fur mit Geller in einem Auto über die Autobahn. Er, Puthoff, befragte Geller über fliegende Untertassen, und Geller antwortete, er werde beweisen, daß seine Kräfte von diesen stammten. Prompt brachte er den Wagen zum Stillstand, ohne etwas berührt zu haben."
     In der dargelegten Form bleibt ein Hauch von Unseriosität an Puthoff hängen - ein von Hanlon sicher beabsichtigter Nebeneffekt. Haupteinwand gegen Geller ist dessen obstinate Abneigung gegen alle Berufsmagier: In der New Scientist Kommision war ja auch einer, und das habe - so Hanlon - sicherlich den Ausschlag für Gellers Ablehnung gegeben. Tatsächlich wurde während der Demonstration in Wien zwar der Berufsmagier "Magic Christian" im Studio geduldet, allerdings unter der Auflage, nichts zu reden und nichts zu unternehmen.
     Hanlon sagt den Berufsmagiern Brotneid nach: "Sie nehmen an, Geller sei ein Trickkünstler wie sei, verdiene aber mehr Geld dadurch, daß er behauptet, er sei mehr als ein Magier."
     sehr skeptisch ist Hanlon bezüglich der Teleportationen, wie sie etwa von Puharich und Ray Stanford beschrieben werden. Im Fall Puharich beruft er sich auf ein persönliches Interview mit diesem, das von der im Buch "Uri" mitgeteilten Version abweicht. Danach wäre es Geller möglich gewesen, sich aufgrund einer im voraus von Puharich gegebenen Beschreibung des angeblich de- und rematerialisierten Kameragehäuses von Puharichs 8-Millimeter-Kamera (das in Ossining, New York, vergessen und nach Tel Aviv, "teleportiert" worden sein soll) ein solches in einem Geschäft zu beschaffen und es als "paranormal transportiert" auszugeben. Ein Transatlantik-Telepathitest, der gewiß leichter zu bewerkstelligen gewesen wäre, schlug hingegen fehl.
     Die bösesten Unterstellungen sind zweifellos jene, daß Geller in Zahnkronen Minisender eingebaut habe, zu deren Anfertigung Puharich wie kaum ein zweiter geeignet sei, sei er doch Inhaber zahlreicher Patente auf diesem Gebiet, unter anderem des US-Patents Nr 2 995 633 vom 8. 8. 1961, dessen Inhalt Hanlon wie folgt beschreibt: "Die Erfindung schließt ein Element ein, das, in einen lebenden Zahn eingebracht, elektromagnetische Signale von Radiofrequenzen empfangen kann ... sowie einen Umwandler, der diese Signale an die Nervenenden der Zähne weiterleitet, von wo sie zum Gehirn gelangen können ..." Uris hervorragende Ergebnisse bei Hellsehversuchen mit Würfeln (Targ/Puthoff machten insgesamt zehn Würfe; achtmal nannte er die obenliegende Augenzahl richtig, zweimal paßte er) erklären sich für Hanlon simpel mit einem in England um 30 Pfund erhätlichen Würfel, aus dem ein Minisender die obenliegende Augenzahl funkt. Beweise dafür, daß Uri Geller auf diese Weise betrogen hat, bleibt Hanlon freilich schuldig. Er behauptet ja auch nicht, daß es so war; nur, daß es so gewesen sein könnte. Es ist die auch von Prokop im Fall der Gedankenphotographie praktizierte Methode: zu erklären, wie so etwas gemacht werden könnte. Zu behaupten, es sei tatsächlich so gemacht worden, ohne den Beweis hiefür anzutreten, ist Rumford.
     Hanlon schließt: "Ich stelle nicht die Integrität der Forscher des SRI in Frage. Aber die Wissenschaft weiß von vielen Beispielen von Wissenschaftlern - oft in großer Zahl -, die sehen, was sie sehen wollen. Marskanäle, Polywasser und die angenommene doppelte Massespitze des A2-Teilchens sind nur drei Beispiele. Mehrere Trickkünstler haben mir erzählt, daß Wissenschaftler ein dankbares Publikum abgeben, da man sie so leicht zum Narren halten kann. Meine Untersuchung des Phänomens Geller stützt diese These. Das SRI-Dokument widerlegt nicht die Masse der sich aus den Umständen ergebenden Beweise, daß Geller einfach ein guter Trickkünstler ist."

    Show und Fernsehen


     Ich stand am 16. Januar 1974, einem Mittwoch, Uri Geller das erste Mal Aug in Aug gegenüber. In Offenburg am Rhein sollte Geller tags darauf in der Wim-Thoelke-Show "Dreimal neun" ein paar Minuten lang auftreten.
     Geller gab eine Pressekonferenz. Sie war, wie das bei seinem Hang zur Showatmospäre üblich ist, mehr improvisiert als geplant: je turbulenter, desto besser.
     Er verlangte einen Schlüssel. Den hatte ich, gewizt, bereits in der Hand, während andere erst mühsam im ihren Taschen kramten. Uri legte den Zylinderschlüssel aus Messing auf ein eloxiertes Tablett, das auf einem Tisch lag, und begann sanft mit dem Zeigefinger seiner Linken darüberzustreichen. Eine Kollegin mußte sich neben ihn setzen und die Spitze des Schlüssels halten. Schon nach etwa 30 Sekunden war eine leichte Krümmung ze erkennen, die vorher nicht da war, nach etwa zwei Minuten war der Schlüssel um etwa zehn Grad gebogen.
     Während der Schlüssel unter uns Neugiierigen reihum ging, war Geller schon bei der nächsten Demonstration. "Denken Sie sich eine einfache Figur, zeichnen Sie sie auf ein Blatt, und versuchen Sie, mir diese in Gedanken zu senden!" Ein älterer Kollege entwarf mit ein paar Strichen ein Haus. Er tat es, abgeschirmt durch eine Zeitung, während Uri sich abwandte. Das Haus, das Geller etwa eine Minute später "empfängt" und Zeichnet, hat just das gleiche windschiefe Dach wie das Original.
     Psychologen pflegen an dieser Stelle einzuwenden, eine solche Demonstration beweise nichts. Aus einer beliebigen Gruppe von Menschen würde etwa ein Drittel auf die genannte Aufforderung mit der Zeichnung eines Hauses reagieren, ein weiteres Drittel würde vermutlich einen Baum zeichnen (das geschah in der SRG-Sendung tatsächlich), der Rest verschiedene andere Figuren, wie Sterne, Quadrate, Kreise. Ich will das gar nicht in Abrede stellen; die Erklärung hat sogar einiges für sich. Sie macht nur nicht begreiflich, weshalb Geller just ein Haus mit jenem nach links hängenden Dach zeichnete, wie es am Original zu sehen was, und das sich durch diese Eigenheit von vielen Dutzenden anderer Häuser unterschied. Zudem kann auf diese Weise der folgende Zwischenfall ganz und gar nicht erklärt werden.
     Als nämlich Uri die Zeichnung vorgezeigt und Applaus geerntet hatte, war er von sich wenig befriedigt: "Hat hier jemand an einen Hund gedacht? Ich habe deutlich einen Hund empfangen." Betretenes Schweigen. Uri wiederholt die Frage. Schließlich schreckt der verantwortliche Redakteur der Sendung, Herr Rödel, aus seinen Gedanken: "Ja, mir ging ständig ein Hund durch den Kopf!" Die Erklärung war, daß ein kleiner Hund einer zum Dreimal-neun-Team gehörigen Dame kurz zuvor für einige Aufregung auf der Bühne gesorgt hatte. Ohne sich bewußt mit dem Hunde-Problem auseinanderzusetzen, scheint sich doch Rödels Unbewußtes sporadisch mit dem Tier befaßt zu haben.
     Es folgt ein weiterer Biegeversuch an einem anderen Schlüssel; mein Wohnungsschlüssel; hat inzwischen die beachtliche Krümmung von 30 Grad angenommen. Spät abends im Hotel stelle ich fest, daß sich der Schlüssel; weiter gebogen hat - endgültig auf etwa 45 Grad.
     Tags darauf, als die Life-Sendung ausgestrahlt wird, bin ich schon in Zürich. Mit einem Team des schweizer Fernsehens folge ich der Sendung aus Deutschland, geht es doch darum, gut aufzupassen und eine Studioaufzeichnung für ein paar Tage später in der Schweiz vorzubereiten.
     Gabeln und Löffel liegen parat, dazu ein paar Nägel und andere Metallgegenstände. Jeder von uns hält irgend etwas - aber die Sendung geht, für uns, ohne Zwischenfälle vorüber. 200 Kilometer nördlich von uns, in Offenburg, sind Uhren in Gang gekommen, hat sich eine Gabel gebogen - in Zürich geschah nichts. Oder doch?
     Nach Sendeschluß kehrte einer der Redalteure vor seiner Wohnungstür seine Taschen um: er suchte seinen Wohnungsschüssel. Er mußte ihn im Auto vergessen haben - also Zürich und suchen! Auf dem Parkplatz mit den Schlüsseln in der Hand stellte er fest, daß sich sämtliche drei Schlüssel an dem Bund um rund 15 Grad gleichsinnig gebogen hatten! Das Erstaunliche: der Redakteur hatte sich vergeblich bemüht, vor dem Bildschirm Gabeln zu biegen, tatsächlich bogen sich aber seine Schlüssel, rund 50 Meter Luftlinie von ihm entfernt, in seinem Auto auf dem SRG-Parkplatz.

     Vier tage später findet die Sendung - vielmehr Aufzeichnung - in Zürich statt. Der Regisseur der Sendung, Walter Klapper, und ich haben einen harten tag hinter uns: einen Tag lang sind wir durch die Arbeitsräume der SRG gegangen, um das Betriebsklima vorzubereiten. Aus der Erfahrung anderer Anstalten wußten wir, daß paranormale Phänomene nicht zu erzwingen sind. Man kann jedoch die Wahrsscheinlichkeit ihres Auftretens durch entsprechend entspannte Atmosphäre erhöhen, wobei die Erwartungsspannung erfahrungsgemäß von Vorteil ist. Skeptiker spielen dabei kaum eine Rolle, wenn sie nur neugierig sind. Die Erwartung "Unmögliches" sehen zu werden, überdeckt den negativen Einfluß des Gedankens: "Das gibt's doch gar nicht."
     Wie sich zeigen sollte, war dieser anstrengende Tag nicht nutzlos vertan.
     Uri Geller kam, besah sich die Requisiten, ohne sie zu berühren: eine Menge alter Uhren, bei denen kein Teil fehlte, die jedoch mit normaler Uhrmacherkunst nicht wieder in Gang zu setzen waren. Riesige Nägel, 10 und 12 Zentimeter lang, Schöpflöffel, Gabeln, Löffel, Messer. Und elf Dosen von 16-mm- Filmen: sie wird der Requisiteur noch für die Sendung präpaireren. Zehn bleiben leer, in einer wird ein Schlüssel mit einem Klebeband auf dem Boden befestigt, damit er in der Dose nicht zu hören ist - Und Uri muß draufkommen, in welcher Dose der Schlüssel ist.
     Wir proben einige Einstellungen. Uri Geller: "Halten Sie für mich einen Monitor bereit, so daß ich immer kontrollieren kann, ob ich die Gegenstände richtig halte. Ich will vermeiden, auch nur für Zehntelsekunden aus dem Blickfeld zu kommen - da heißt es dann gleich, ich verwendete Tricks."
     Walter Klapper gibt Geller seinen Haustorschlüssel. Geller hält ihn in die Höhe, die Kamera fährt drauf zu - und der Schlüssel biegt sich. "Seht, seht - ich habe überhaupt nichts gemacht!" Uri ist selbst fassungslos, hatte er sich doch weder konzentriert noch gewünscht, daß sich der Schlüssel biegen möge.
     Klapper jedenfalls nimmt den Schlüssel stolz an sich: Endlich habe auch er ein Souvenir von Uri Geller!
     Die Sendung beginnt mit einem Telepathieexperiment. Etwa 100 Meter vom Studio entfernt sitzen in einem eigenen Raum rund 100 Journalistin. Über einen Monitor können sie alles, was im Studio vorgeht, verfolgen. Wir im Studio hingegen sind nur über eine Telephonleitung und da nur nach Bedarf mit dem Journalistenzimmer verbunden.
     Ohne daß jemand dritter zugesehen hätte, hat eine Journalistin heimlich eine Zeichnung angefertigt. Sie hat diese in einen Umschlag gesteckt und diesen sorgfältig verklebt. Danach hat sie den Umschlag in weitere zwei gesteckt und ebenso genau versiegelt. Nun sitzt sie im Raum mit den anderen Journalisten und versucht, Geller die Zeichnung telepathisch zu senden.
     Uri braucht lange - etwa fünf Minuten. Er unterbricht sich selbt mehrmals in seiner Konzentration, sagt: "Ich bat doch, eine einfache Zeichnung anzufertigen. Aber das, was ich empfange, ist reichlich kompliziert. Es ist möglicherweise ein Baum, der unten, beim Stamm, einfach ist. Oben aber, im Geäst, wird's kompliziert." Und er zeichnet mit weingen Strichen einen Baum. Äste und Blätter sind deutlich zu erkennen.
     Die Journalistin wird ins Studio geholt, begleitet von zwei integren Zeugen. Vor der Kamera öffnet sie die drei ineinandersteckenden versiegelten Kuverts: Es ist tatsächlich ein Baum - und zwar genau in der gezeichneten Art! Bewegung im Studio, Zustimming, Applaus.
     Nächster Versuch: Hellsehen . Unter elf Filmdosen hat Geller die einzige herauszufinden, in der der Schlüssel liegt. Er macht es sehr spannened - wiederum fünf Minuten lang. Er hält seine Hände etwa fünf Zentimeter über die Dosen, versucht, von diesen Eindrücke zu empfangen. Uri Geller, dazu später von mir befragt: "Es ist wie eine Art Druck, der von der Dose mit dem Gegenstand ausgeht." Dann nennt er eine. Es ist die richtige.
     Die Ingangsetzung von etwa 20 Uhren ist fast schon Routine; genauso das Biegen eines Schöpflöffels mit anschließendem Bruch. Erschöpft erhebt sich Geller nach mehr als zwei Stunden Studioarbeit (die sendung ist auf MAZ aufgezeichnet und wird spätter etwa 80 Minuten lang sein), Klapper eilt vom Regieplatz ins Studio. Der Experimentalphysiker, der als Zeuge und Gutachter die Sendung mitverfolgt hat, ist nicht überzeugt: "Die Erforschung solcher Taschenspielertricks fällt nicht in unser Arbeitsgebiet." Klapper weist seinen verbogenen Haustorschlüssel vor. Ohne um Erlaubnis zu fragen, legt der Physikprofessor den Schlüssel auf den Boden, steigt mit einem Absatz drauf und tritt ihn gerade!
     Klapper schäumt: "Das ist nicht nett, mir mein einziges Uri-Geller-Souvenir wieder geraduzubiegen!" Die Wut des Regisseurs ist groß. Noch nach Stunden, als wir abends im Zürcher Hotel Kindli sitzen, ist sie da: Jedem der die Geschichte hören will, erzählt Klapper von der Präpotenz dieses Physikers.
     Wir sind eine bunt gemischte Runde, die wir hier an zwei Tischen des Hotel-Restaurants auf Uri warten: "Fans", wie es das deutche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" nennen wird, Journalisten, Fernsehleute, Neugierige. Geller "amtiert" oben in seinem Zimmer - Exklusivdemonstration für den "Spiegel". Er hat wie wir Später hören, in dieser Zeit nicht weniger als sieben Gabeln des schweren Hotelsilbers verbogen.
     Klapper erzählt seine Geschichte zum zwanzigsten Mal. Seine Nervosität reagiert er an einem Kaffeelöffel ab: wie Uri Geller streicht er mit den Fingerspitzen über die Löffelkrümmung, legt den Löffel wieder weg, auf den Tisch, nimmt wieder den Schlüssel zur Hand.
     Endlich kommt Geller. Zwei Stunden haben wir warten müssen, zwei Stunden, ich denen Geller sein Letztes für die Leute vom "Spiegel" gegeben hat. Er ist hundemüde, sinkt in einen Sessel an unserem Tisch. Klapper erzählt seine Geschichte zum einundzwanzigsten Mal - Uri ist sofort wach, greift wie elektisiert nach dem Schlüssel. "Sehen Sie, hier ist ein ganz feiner Haarriß!" Tatsächlich: Dort, wo der Schlüssel früher gebogen war, ist nun ein feiner, gerade noch wahrnehmbarer Riß im Metall.
     Uri legt den Schlüssel auf den Tisch. Er bleibt liegen vor unser aller Augen auf dem Tischtuch, während das Gespräch weitergeht. Von hinten kommt der Kellner, fragt: "Darf ich abservieren?" Klapper bejaht, und der Kellner hebt Klappers Kaffeetasse in die Höhe.
     Was nun passiert, ging bereits in die Annalen der Uri-Geller-Forschung ein.
     Der Kellner hat das Kaffeegeschirr, bestehend aus Tasse, Untertasse und Löffel - genau den Löffel, den Klapper einige Zeit hindurch gerieben hatte -, eben von Tisch abgehoben, befindet sich etwa 30 Zentimeter über der Tischplatte, neben dem linken Ohr Klappers, als plötzlich der Löffel mit einem leichten Knall mitten in der Luft zerspringt. Die Hälften fallen links und rechts herunter, auf das weiße Tischtuch. Wir alle haben es gesehen, und doch springt Geller empor, schreit sein berühmtes: "Look, look!" Und "It never happens to me before, look, look, just in the air!"
     Indes wir alle noch erstaunt das Spontanphänomen betrachten, die zwei Löffelteile herumgereicht werden und Gäste von anderen Tischen herbeigeeilt sind, machte es noch einmal "kling". Der von unseren Augen offen auf dem Tisch liegende Haustorschlüssel Walter Klappers ist in zwei Teile zersprungen!Was heißt zersprungen: direkt zerspritzt; wie von Geisterhand geworfen liegt die Spitze des Schlüssel rund 15 Zentimeter von Hauptteil entfernt, obwohl das rauhe Stofftischtuch bremsend gewirkt haben mußte!
     "Das ist mein stärkster Tag, den ich bisher überhaupt hatte", stöhnt Uri Geller, neuerlich in seinen Sessel zurückfallend. "Sie haben sich aber doch gar nicht angestrengt", wende ich ein. "Nein, das ist ja das Erstaunliche", antwortet er." Ich bin überzeugt, daß ich nur Auslöser bin, Auslöser für Spannungen, die sich im Lauf des Tages in uns allen angesammelt haben." Klapper nickt dazu - weiß Gott, daß das Spannungen waren!
     Ich taste hinunter in meine Tasche, greife das Ding, das ich für Uri eigens aus Wein mitgenommen habe: eine schwere Titelzeile aus Letternmetall, einer Blei-Wismut-Antimion-Legierung, wie sie bei Zeitungen verwendt wird. Die Zeile lautet: "Uri Geller: Das biegen wir!" Ich reiche Geller die Zeile hinüber: "Glauben Sie, daß Sie das schaffen?" Er sieht mich verzweifelt an: "Heute gewiß nicht mehr. Aber geben Sie es mir morgen im Flugzeug. Ich werde es versuchen."

     Geller, sein Manager Werner Schmid und Shipi Strang, der ihn ständig umgebende angebliche Photograph, kommen erst im letzen Augenblick im Flughafen an. Ich deute auf mein Taschen und ihren Inhalt - Geller winkt ab: "Im Flugzeug."
     Dort bestimmt der Psychokinetiker selbst die Sitzordnung. Er nimmt an der Gangseite einer Dreier-Sitzreihe Platz. Shipi muß ans Fenster, der Platz dazwischen bleibt leer. Mich setzt er an die Gangseite der Zweier-Sitzreihe neben ihm, der Fensterplatz bleibt frei. Das Flugzeug ist fast leer, es sind nuhr wohlgezählte 18 Passagiere außer uns. Hinter Shipi setzt Geller seinen Manager, hinter mich die zwei leute vom "Spiegel", die uns nach Wein begleiten.
     Das Flugwetter ist prächtig, aber Geller blickt nur selten aus dem Fenster. Viel mehr interessieren ihn die israelischen Zeitungen, die er gerade noch vor dem Abflug bekommen hat. Ich denke schon, daß aus dem Experiment nichts werden würde, da wirft er plötzlich die Zeitung auf den Nebensitz, dreht sich zu mir und sagt: "Geben Sie her."
     Ich drücke ihm die längere, größere Zeile der zwei mitgebrachten in die Hand. Er seufzt: "Oh, das ist aber sehr dick", beginnt aber gleichzeitig, das Metall mit seiner Linken zu reiben.
     Nach etwa 20 Sekunden wird er aufgeregt: "Greifen Sie einmal hin!" Ich greife - und zucke zurück: ich spürte auf meiner Hand etwas wie einen elektrischen Schlag, etwa so stark wie von einer Autobatterie. Aber anders als bei elektrischen Schlag hält das Kribbeln im Arm, das von den Fingerspitzen bis zur Schluter reicht, lange an: Minuten, ja Stunden, wie mir später zu bewußtsein kommt.
     Während ich das Kribbeln in meinem Arm verfolge, hat Uri weitergerieben. Ich weiß schon, was jetzt kommt: "Look" Look!" Die Zeile biegt sich nach unten, um etwa zehn Grad. "Jetzt sollten wir ein Mädchen, eine Stewardeß, holen!" schreit Uri. Auch das kenne ich nun schon an ihm: besonders, wenn hübsche Mädchen dabei sind, gelingen ihm seine Demonstrationen gut, biegen sich Metallgegenstände zumeist prompt, lassen sich Gedanken blitzartig übertragen. Im Nu sind die Stewardessen da. Eine, die Christl heißt, drückt Geller die Zeile in die Hand und hält selbst das andere Ende. Auch Christl spürt eine Art elektrischen Schlages. Die Zeile biegt sich weiter.
     Ein Plumps beendet die Demonstration: die Zeile ist gebrochen, ein Teil ist zu Boden gefallen. Aufschrei der Stewardessen, Untersuchung der Zeile - Geller steht auf. Wir sprechen über das Geschehene, die Cheifstewardeß ersucht, auch ihr einen Schlüssel zu biegen. Geller biegt - und noch etwas dazu: ohne daß er es nur angerührt hätte, gleichsam unter seinem Blick, biegt sich das Metalltäfelchen, das die Stewardeß auf ihrer Bluse trägt und das ihren Mamen zeigt.
     Nun ist das Flugzeug in heller Aufregung. Die Mädchen vergessen, wozu sie eigentlich an Bord sind, und schleppen Gabeln, Löffel und Schlüssel herbei. Und Uri läßt lächelnd alles uber sich ergehen: Er biegt alles, alles.

     Kurz nach der Landung in Wein findet die erste Pressekonferenz statt. Uri ist müde. Offensichtlich hat er sich verausgabt, denn es gelingt ihm nichts. Drei Journalistenschlüssel bleiben gestreckt, wie sie immer waren, lediglich ein Telepathieexperiment funktioniert so halbwegs. Generalprobe schlecht, Aufführung gut? Wir wenden sehen.
     Das österreichische Fernsehen (ORF) hat riesige Studios mit sehr kühler Atmosphäre; der Modorator, Alfred Payrleitner, ist, wie er selbst zugibt, ohne Beziehung zum Paranormalen und zu Geller. Hingegen fürchtet er um seinen Ruf als politischer Kommentator.
     Der Mißerfolg folgt auf dem Fuß: Noch selten hat Uri so kläglich versagt wie in Wein.
     Vor der Sendung zieht er mich beiseite: "Was glauben Sie - was werden die tun, wenn ich versge? Werden sie sehr böse sein?" Ich spüre, daß Geller weiß, daß es schiefgehen wird, darf mir das aber natürlich nicht ammerken lassen: "Uri, es wird alles gut gehen, du wirst schon sehen."
     Zunächst beordert er die bestelle "Mädchen-Garnierung" zu sich. Vier oder fünf waren zur Sendung auf dem ORF-internen Dienstweg angefordet worden. Mitt ihnen schließen Geller und sich uns in die Garderobe ein, versuchen, die Zeichnung eines Mädchen telepathisch Uri zu übermitteln. Die Sache funktioniert nicht, Uri hat, wie er sagt, keinen "Kontakt". Würde er der begnadete Trickkünstler sein, als deh ihn seine Kritiker nunmehr darstellen, hätte er jetzt und hier, in der Garderobe des ORF_Zentrums Küniglberg, jede Gelegenheit gehabt: Er stak mit drei Mädchen allein in einer Kabine, ich hatte alle Hände voll zu tun, "Adabeis" abzuwehren. Weder Shipi Strang, dem Illustrierte wortreich Mitschuld an vermeintlichen Geller-Betrügereien geben, noch Manager Schmid waren irgendwo zu sehen.
     Die Frau eines Kollegen, bekkant für (Hofmann würde sagen: "gewisse") telepathische Fähigkeiten, wird zu einem weiteren Versuch geholt: kein Ergebnis. Frau Lotte Ledl, Schauspielerin am Wiener Burgtheater, die als Gast zur Sendung eingeladen ist, versucht es gleichfalls - wieder vergebens. Uris Verzweiflung "I can't get it" - "Ich kreig's nicht!" - ist nicht gespielt. Sie ist einfach die Reaktion eines Menschen vor einer Wand. Er ist an den Grenzen seiner Leistungskraft angelangt.
     Die Sendung läßt sich nicht gut an. Der Moderator wirkt gehemmt, gequält, unsicher. Was das Publikum nicht weiß: Er hat Grippe und 39 Grad Fieber (was das Publikum auch nicht zu wissen braucht, hat es doch Anspruch auf eine ordentliche Sendung).
     Das Telepathieexperiment beginnt: Frau Ledl verläßt das Studio. Sie hat, wie wir später erfahren werden, eine Spirale gezeichnet. Uri Geller empfängt zunächst einen Pfeil. Er streicht ihn durch, schließlich zeichnet er mehrere konzentrische Kreise. Frau Ledl kommt herein, zeigt die Spirale. Parapsychologe Professor Hofmann, der mit am Tisch sitzt, bezeichnet die Demonstration als "annähernd geglückt".
     Einige Uhren, in die ein geprüfter Uhrmachermeister mehrere Fehler eingebaut hat, beginnen unter Uris Hand zu laufen - und viele tausend Uhren im ganzen Land schließen sich an. Der Höhepunkt der Sendung, das Biegen eines Löffel, ist jedoch keiner: nichts biegt sich. Die Enttäuschung ist groß, und Uri Geller verläßt das Studio eher fluchtartig.
     Drei Minuten später, in der Garderobe, sind Uris Kräfte wieder da! Der Schlüssel eines Hörfunkredakteurs biegt sich (er wird später von Physikern und Metallurgen untersucht, ohne daß ein signifikantes Ergebnis erzielt worden wäre), und der Grazer Psychologieordinarius Prof. Dr. Erwin Mittenecker macht einen Telepathieversuch. Er notiert in sein Büchlein versteckt drei Paragraphenzeichen, Uri reagiert spontan (siehe Zeichnung). Paragraphenzeichen kennt er nicht, sagt Uri, er hätte das für verzerrte Dollar-Zeichen gehalten. (fig.1) Der Psychologe ist beeindruckt.
     Ein paar Minuten später biegt Uri einen Kaffeelöffel - just in der Hand des skeptischen Moderators Payrleitner!

     Der Auftritt Uri Gellers in Mitteleuropa ist beendet, es ist an den Wissenschaftlern, Bilanz zu ziehen.
     Mittenecker tat dies unter dem Titel "Erfahrungen eines Psychologen mit der Parapsychologie". Er berichtet über negative mit holländischen Hellsehern und hält im übrigen auch von Uri Geller nicht viel "...werder Professor Hofmann von der Technischen Hochschule Wien noch mir wurde Gelegenheit gegeben, an der methodischen Vorbereitung der Demonstrationen mitzuwirken. Die Darbietung war für viele enttäuschend..."

     Weniger die des Biegens: "Das größte Aufsehen erregte und erregt noch immer das gewaltlose Verbiegen und Brechen von Metallgegenständen. Es gelang erst nach der Sendung. Ein vernickelter Messingschlüssel verbog sich nach längerem Bestreichen ein wenig, während ich ihn am anderen Ende lose hielt. Er bog sich weiter, als er nachler auf dem Tisch lag. Zur Erklärung bieten sich drei Möglichkeiten an: 1. Psychokinese. Würden die Gegenstände nicht berührt, hätte sie eine große Wahrscheinlichkeit für sich. So aber sind weitere Möglichkeiten nicht ausgeschlossen. Die zweite, von vielen Physikern und von Magiern für wahrscheinlich gehaltene Erklärung ist die absichtliche Anwendung eines chemischen Mittels, wie Quecksilbernitrat. Die dritte wäre die unbeabsichtigte (oder beabsichtigte) Wirkung körpereigener vorgänge. Dafür kommt vor allem die Schweißsekretion in Frage, welche ähnliche Effekte auslösen könnte wie die Spannungsriß-Korrosion. Aber auch eine elektrophysiologische Einwirkung scheint nicht ganz ausgeschlossen zu sein. Für die Hypothese einer nicht durchschauten physikalisch-chemischen Wirkung, die vom eigenen Körper ausgeht, sprechen nach meiner Meinung auch die Berichte von Fernsehern, vor allem die vereinzelten Meldungen über Kinder, welche vor Zeugen imstande sind, Bestecke zu demolieren - ohne Gewaltanwendung."

     Und Mittenecker fragt und antwortet: "Was bleibt von der Geller-Darbietung übrig? Die vermutung, daß der junge Mann zumindest teilweise an seine außergewöhnlichen Fähigkeiten glaubt und sogar die Vermutung, daß er telepathische Fähigkeiten wirklich besitzt. Ich führte mit ihm nach der Sendung einen besser gelungenen (keinsfalls idealen) Beobachtungsbedingungen keine Fehlerquelle oder Alternativeklärung finden.

     Die Vorgänge um das Geller-Auftreten sind nicht nur für mich persönlich, wie fur Tausende andere, von Interesse gewesen, sie waren auch für den Psychologen sehr bedeutsam. Wieder einmal wurde demonstriert, daß weder Laien noch Wissenschaftler noch Berufsmagier in der Lage sind, alle möglichen Fehlerquellen der Beobachtung und Erklärung auszuschalten, wenn menschliches Verhalten verstanden werden soll. Dies ist ein generelles, enorm großes methodisches Problem im Bereich aller Verhaltenswissenschaftten. Zufall, Autosuggestion, Suggestion, unbewußte Verfälschung von Wahrnehmungen und Gedächtnis können in iher Wirkung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie auszuschließen ist selbst unter bestkontrollierten Laborbedingungen nahezu unmöglich. Ein kleiner Zweifel verbleibt daher dem vorsichtigen Forscher in allen Fällen von parapsychologischen Demonstrationen außerhalb des Labors."
     Mitteneckers Überlegungen enden in Vorbehalton, wie man sehen wird: "Aber auch nichtmethodische Aspekte drängen sich der Betrachtung durch den Psychologen auf: Warum sind so viele Menschen bereit, an "Übernatürliches" zu glauben, warum lehnen andere auch nur die Diskussion von Hypothesen über die Existenz von Phänomenen wie Psychokinese und Telepathie heftig ab? Es gibt individuell unterschiedliche Faktoren der Persönlichkeit, die die Entwicklung bestimmter "weltanschauungen" im weitesten Sinn begünstigen. Sowohl extremes Glauben wie Nichtglauben wird mit sogenannten Angst-Abwehrmechanismen in Zusammenhang gebracht. Die Persönlichkeitsstruktur der medial Begabten und auch der sich für begabt Haltenden ist ebenfalls für den Persönlichkeitstheoretiker, in manchen Fällen auch für den Pathopsychologen von Interesse. Das gleiche gilt vom Publikum, das von der Darbietung "übersinnlicher" Erscheinungen besonders attrahiert wird. Und schließlich stellt sich auch die Frage nach der sozialpsychologischen und sozialpädagogischen Bedeutung. Es kommt anläßlich solcher Berichte in den Massenmedien zu lawinenartigen Wirkungen: Die latent vorhandene Bereitschaft, an wunderbare Erscheinungen zu glauben, wird aktualisiert. Bedenklich ist dabei die neigung zur Verallgemeinerung. Wenn Uri Geller Gedanken lesen und Gabeln verbiegen kann, warum sollten dann nicht auch Kontakte mit den Geistern Verstorbener oder Zukunftsdeutungen aus den Linien der Hand möglich sein? Wenn der irrationale Glaube an schicksalsbestimme Übermächte zu sehr verstärkt wird, kann darunter die Kritikfähigkeit und die Realitätsangepaßtheit leiden. Und dies kommt, wie Historiker uns belehren, weniger der freien Entfaltung der einzelnen staatsbürger, als ihrer Unterdrückung durch die Herrschenden zugute. Auch wenn diese selber im Bann von Sehern oder Scharlatanen stehen."

     Nicht minder zurückhaltend ist Hofmanns Gutachten:

     "Der unterzeichnete Vorstand, o. Professor Dr. Hellmut Hofmann, gibt als vorläufiges Ergebnis der Untersuchung des Falles Uri Geller folgendes bekannt:

     Im Anschluß an die am 23. Januar stattgefundene Fernsehsendung brachte Herr Uri Geller einen Zylinderschlüssel in der Hand des Grazer Ordinarius Prof. Dr. Mittenecker durch streichen mit seinen Fingern zum Biegen. Wenige Minutten später verbog sich dieser Schlüssel, auf einem Tisch liegend und ohne von irgendeiner Person berührt zu werden, von selbst um zirka zehn Grad weiter, was von wenigstens sechs Beobachtern, u. a. auch von Professor Doktor Hofmann und einem seiner Assistenten zweifelsfrei beobachtet wurde. Gerade diese "Nachwirkung" ohne Berührung läßt den Verdacht auf das Einwirken einer spezifischen chemischen Substanz aufkommen.
     Eingehende Untersuchungen des durch seine Nummer einwandfrei identifizierten Schlüssels durch Dr. Wruß vom Institut für chemische Technologie anorganischer Stoffe der Technischen Hochshule Wien mittels Röntgenfluoreszenzanalyse und im Stereomikroskop sowie durch Dr. Grasserbauer vom Institut für analytische Chemie und Mikrochemie mit Hilfe des Rasterelektronenmikroskops und der mikrosonde ergaben jedoch keinerlei Hinweise auf die Einwirkung von Chemikalien.
     Die Frage, ob das Biegen des Schülssel nun auf einen Trick, d. h. auf die Anwendung eines chemischen Präparates, das sich später nicht mehr nachweisen läßt, oder aber auf paranormale Fähigkeiten des Hern Geller zurückzuführen ist, bleibt also vorläufig offen.
     Ein anschließend an den Biegeversuch von Prof. Dr. Mittenecker mit Herrn Geller durchgeführtes und offensichtlich gelungenes Telepathieexperiment läßt jedoch vermuten, daß Herr Geller über gewisse paranormale Fähigkeiten verfügt.

    Technische Hochschule Wien

    Institut für Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik
    Vorstand: o. Prof. Dr. techn. Hellmut Hofmann"

    Ist außer "gewissen paranormalen Fähigkeiten" also nichts festzustellen gewesen?
     Vier Monate später berichtet Hans Bender in Wien über seine Erfahrungen mit Geller-Nachwirkungen (Wiener "Kurier" vom 8. 5. 1974).
     Seinen Erfahrungen zufolge habe er jahrzehntelang hinter PK-Phänomenen herlaufen müssen, jetzt aber habe er diese in Fülle. Landauf, landab fungierte Geller als Mini-Spuk-Erreger, und vor allem Jugendliche gebe es sonder Zahl, die imstande seinen, Gabeln und Löffel á la Geller zu verbiegen.
     Bender untersuchte einige dieser Fälle. Als einer der bemerkenswertesten wurde der einer Frau in Mitteldeutschland sogar polizeilich registriert: in deren Bestecklade bogen sich nicht weniger als 56 Besteckeile schlangengleich! "Wenn von Geller sonst nichts geblieben wäre als tausendfach induziertet Mini-Spuk, wäre sein Verdienst für die die Psi-Forschung schon gewaltig", dozierte der Gewaltige aus Freiburg.
     Seine österreichischen Kollegen, die im Auditorium saßen, nickten beifällig, gaben aber ihr Wissen nicht preis: der eine arbeitete gerade an einem Fall in Mödling, der andere an einem solchen in Rechnitz im Burgenland, der dritte hatte im steirischen Kammern einen elfjährigen Eisenbieger an der Hand. Das unausgesprochene Prinzip, paranormale Untersuchungen nur ja nicht vorzeitig an die groß Glocke zu hängen, wurde aller Divergenzen zum Trotz strikte eingenhalten.
     Immerhin konnte herausgebracht werden, daß einer der untersuchten Fälle auf Schwindel beruhte und sich daher die Zurückhaltung in der Berichterstattung als segensreich erwies. Andere Fälle jedoch, die schon aufgrund ihrer Persistenz publikationswFällerdig gewesen wären, bliben im Verborgenen. Unter ihnen ist jener damals elfjährigen Karin H. aus einer burgenländischen Gemeinde, die ihre Fähigkeit, Metall zu biegen, erst nach der Wiederholung (!) der GellerSendung im Januar 1974 entdeckte. Ein Team der AGP besuchte sie mehrere Male, und die Fähigkeit war auch im Frühjahr 1975, also ein Jahr später, noch nicht verloren. Der an der Untersuchung beteiligte Physiker brachte es zwar zuwege, gegen den Widerstand der Sensitiven Meßonden an den zu biegenden Besteckteilen anzubringen, registierte jedoch auf seinem Schwingungsmeßgerät ziemlich homogene Frequenzspektren im Bereich zwischen 15 und 15.000 Hertz. Negativ ausgedrückt: Das paranormale Ereignis war auf dem Registrierstreifen in keiner Weise zu erkennen.
     Anschließende Versuche im Laboratorium, Löffel mit Hilfe von Schall (auch Ultraschall) hoher Energien zu verbiegen, mißlangen. Die Hypothese vom Sensitiven als Ultraschallgenerator mußte zu den begrabenen Hoffnungen wissenschaftlichen Strebens gelegt werden. Als einzig bemerkenswert verbleibt die Tatsache, daß die Elfjährige auch Löffel (Edelstahl der österreichischen Firma Berndorf) auch dann biegen konnte, wenn das Metall, um Spannungen zu entfernen, vorher ausgeglüht wurde. Daß sich Gabeln und Löffeln just an der schwächsten Stelle biegen, ist auch bei Geller fast immer beobachtet worden.

    Wir haben versprochen, am Fall Geller Allgemeingültiges für die Psi-Forschung zu demonstrieren. Was also bleibt nach kritishcher Prüfung des Phänomens übrig?
     Trotz unleugbarer Mängel zeigt die Targ-Puthoff-Studie, daß Telepathie mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann. Die Telepathie-Hypothese wird von den Demonstrationen im Schweizer und österreichischen Fernsehen unterstützt.
     Gellers Fähigkeiten als Induktor von Mini-Spuk sind zweifelsfrei dokumentierbar, und zwar unabhängig voneinander in allen drei deutschsprachingen Ländern. Dort "entdecken" nach Gellers Fernsehauftritten Menschen plötzlich ähnliche Fähigkeiten an sich. Einige dieser Geschehnisse wurden von Forschern untersucht und auch von Fernsehanstalten und Filmemachern aufgezeichnet.
     Was nun von Gellers Fähigkeiten als Metall-Bieger zu halten ist, ist nicht mit einem satz auszudrücken. Ich trete jederzeit als Zeuge für die Behauptung in die Schranke, daß es PK gibt, weil ich die berührungslose Verformung eines Metallgegenstandes selbst zweifelsfrei beobachtet habe. Die Mehrzahl der Einwände gegen die Psychokinese rührt daher, daß Geller die Metallgegenstände zumeist berührt und reibt; um Pk könne es sich - diesen Einwänden zufolge - jedoch erst dann handeln, wenn eine gewisse räumliche Mindestentfernung zwischen Medium und Objekt eingehalten werde. Die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit", deren leitender Wissenschaftsredakteur Thomas von Randow notorisch gegen den Faktor Psi wettert, setzte 100.000 DM demjenigen aus, der unter den Augen einer "Zeit"-Jury unter vorgegebenen Bedingungen PK vorführen könne; die vorgegbene Mindestentfernung beträgt einen Meter.
     Ich kann darin wenig Sinn erkennen: Hat man es bei PK mit einer Wirkung zu tun, die physikalisch bekannten Strahlungen vergleichbar ist, nimmt die Intensität dieser Wirkung mit dem Quadrat der Entfernung ab. Eine Entfernung zwischen Psychokinet und Objekt von 30 Zentimetern etwa ist in meinen Augen genauso aussagekräftig, würde aber, immer die Strahlungshypothese zugrunde gelegt, mit neunmal großerer Wahrscheinlichkeit zu erwarten sein. Hat man ist jedoch nicht mit physikalisch handhabbaren Wirkungen zu tun, spielen auch großere Entfernungen keine Rolle; in diesem Fall dürfte es überhaupt schwer werden, Ursache-Wirkung-Beziehungen zu erkennen.
     Geller hat im SRI-Test keine Schlüssel, Gabeln, Löffel verbogen. Diese Feststellung nehmen viele für einen Beweis gegen PK. Das ist Natürlich grandfalsch, ebenso falsch wir die These, Geller arbeite mit Chemo-Triks, etwa Quecksilbernitrat. Ich habe eine Woche lang quer durch Europa begleitet und glaube, solches ausschließen zu können: Quecksilbernitrat ist hochgiftig, und Geller ist nicht der Mann, ein solches Risiko auf sich zu nehmen - auch wenn oft eingewandt wird, er sei doch im Sechstagekreig Fallschirmjäger und daher mit überdurchschnittlichen Risken vertraut gewesen. Ich glaube, daß das etwas ganz anderes ist, als seine Hände ständig mit Quecksilbernitrat benetzen zu müssen. Anderseits sagen alle, die das Quecksilber-Argument ins Spiel bringen, nur, daß es aus diese Weise möglich sei, Metall zu biegen. Keiner hat jedoch die Verwendung dieser Chemikalie an Geller-Objekten nachweisen können. Obwohl Quecksilberverbindungen in allgemeinen flüchtiger sind als andere Schwermetallsalze, gelang es doch niemandem, auf von Geller gebogenen oder gebrochenen Gegenständen Quecksilber nachzuweisen.
     In welcher Richtung weitergesucht werden sollte, erigbt sich aus zwei Gutachten. In dem im "Spiegel" veröffentlichten heißt es über eine gebrochene Gabel des Wiener Hotels Imperial (Liegerung der Firma Berndorf 90/98, schwerversilbertes Alpaka, also eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung): "Die Bruchfläche wurde mit einem Rasterelektronenmikroskop an der zinkenseitigen Bruchhälfte untersucht. Bei 100- bis 200facher Vergrößerung hatte der Bruch vorwiegend ein glattes Aussehen und wies zahlreiche Risse auf; dazwischen lagen kleine duktil gebrochene Bereiche mit hiefür typischer Wabenstruktur. Ein solches Bruschaussehen läßt sich durch das Einwirken einer mechanischen Beanspruchung allein nicht erklären..." Die Metalltechnologen führten nun eine Vergleichsuntersuchung durch, die sie in der Meinung bestätigt, daß Spannungsrißkorrosion, hervorgerufen durch spezifische Reagenzien, vorlag.
     Dieses Gutachten ergibt jedoch, mit einem der Eigenössischen Materialprüfungsanstalt Zürich verglichen, eine sinnvollere Erklärung. Professor Fiechter untersuchte nach der Demonstration Gellers in der SRG die dort abgebrochene Schöpfkelle aus Aluminium. Sein Gutachten hat er der SRG mündlich mitgeteilt, aber nie schriftlich ausgefertigt, steht aber noch ein Jahr danach zu seiner Aussage: "Miener Ansicht nach handelt es sich klar um einen Erm"ndungsbruch. Dieser ging von der Bohrung des Stieles, durch den die obere Niete gezogen war, aus. Die Bruchflächen waren vollkommen blank, wogegen der übrige Schöpfer ziemlich "patiniert", also belegt, war."
     Ermüdungsbruch heißt der Stiel sah aus, als wäre er an der Bruchstelle viele Male hun - und herbewegt worden. Jeder Fernseher konnte aber am Bildschirm sehen, daß Geller den Schöpflöffel höchstens ein Dutzend Mal aufund abbewegte: ein Ermüdungsbruch setzte hingegen viele Dutzend Bewegungen voraus. Die Schlußfolgerung, daß eine vibrierende, sich möglicherweise resonativ bei einer bestimmten Frequenz (die wahrscheinlich mit der Große und Masse des Gegenstandes in Zusammenhang steht) stabilisierende Wirkung für den Bruch verantwortlich ist, ist nicht von der Hand zu weisen. "Od", "Teleplasma" sind früher gebrauchte, unscharfe Begriffe, die versuchen, das Agens hinter diesen Wirkungen zu beschreiben. Jetzt heißt das "psychische Energie".
     Es darf dazugesagt werden, daß die Forschung vermutlich mehr wüßte, wenn sich Geller kooperativer gezeigt hätte. So etwa hat Professor Hofmann in Wien Geller Versuche in seinem (elektrotechnischen) Laboratorium angetragen, Geller aber lehnte ab.
     Charles Honorton, mit dem ich New York ausführlich über Geller sprach, kritisierte diese Haltung heftig: "Wir hatten Geller hier, im Maimonides Dream Laboratory. Ich sah ihn selbst - nicht in Experimenten, sondern in informellen Demonstrationen. Ich glaube, daß Geller für die Weiterentwicklung der psychischen Forschung unwichtig ist. Er wird uns nie zu einem Punkt führen, an dem wir mehr über die psychischen Phänomene wissen werden. Er ist an Forschung nicht wirklich interessiert - er ist ein Psycho-Athlet, der eben Aufenthalte in wissenschaftlichen Instituten zur Hebung seines Images braucht. Er ist auch nicht der Typ Mensch, der still sitzt und Versuche über sich ergehen läßt - das braucht aber ein Wissenschaftler." Zwei Minuten später widerspricht sich Honorton und erkennt Geller doch eine nützliche Funktion zu: "Eine Menge sehr anspruchsvoller, seriöser Wissenschaftler sahen Geller im Fernsehen Löffel biegen. Und sie, die nie vorher irgendein Interesse an Parapsychologie genommen haben, waren plötzlich mitten drin, höchst begierig, mehr zu erfahren. Das konnte man mit eigenen Augen sehen. Man brauchte keine Statistik - vergessen Sie nicht, daß die meisten Effekte ja nicht direkt beobachtbar sind. Und da war eben kein Zweifel daß etwas passierte ... der grundlegende Widerstand der außenstehenden Wissenschaftler rührt ja daher, daß es sich um Phänomene handelt, die ihrer Natur nach unbeobachtbar sind."
     Gellers Wirkung auf Uhren ist zwar offensichtlich, wissenschaftlich aber wegen der relativ komplexen technologischen Situation schwer überblickbar. Auch hier hängt sehr viel von der Glaubwürdigkeit der Zeugen ab. Der Wiener Uhrmachermeister Andlinger, der Uhren für Uris ORF-Auftritt gangunfähig gemacht hatte, vertrat jedenfalls die Meinung, der mit Gewalt quer durch das Werk einer Uhr geschlagene Stift könne ohne kenntnis des Vorganges und der Anwendung erheblicher Kraft nicht entfernt worden sein. Tatsächlich lag dieser Metallstift jedoch nach der Behandlung durch Uri auf dem Grund des Uhrengehäuses, und die Uhr ging. Mir erscheint die Aussage des Vertrauensmannes der Wiener Uhrmacherinnung unangreifbar.
     Die Annahme, daß es sich bei den Geller-Phänomene um echte, allenfalls nur zum Teil um Schwindel handelt, wird durch einen Bericht des kanadischen Parapsychologen A.R.G. Owen gestützt. Owen bereitete im März 1974 die Demonstrationen für Uri Geller im Rahmen einer Aufzeichnung des kanadischen Fernsehens in Toronto vor. Die Gegenstände, die gebogen oder gebrochen wurden, stammten größtenteils aus Owens Privatbesitz. Seiner Ansicht nach kann es sich weder um Taschenspieler- noch um Tricks mit Chemikalien handeln. Als bemerkenswert dürfen einerseits Owens Verwunderung darüber, daß Geller auch in anderen Personen (unter anderen auch in Owens frau Iris) PK-Kräfte induzieren konnte, sowie folgender satz zitiert werden: "Als Gabel und Reilly-Schlüssel untersucht wurden, wurde festgestellt, daß diese an deren schwächsten Stellen zerbrochen waren. Daher kann angenommen werden, daß die paranormalen Kräfte nach einem Gesetz des geringsten Widerstands angreifen."
     Abschließend muß Uri Geller als Induktor eines weiteren Phänomens gewürdigt werden, das isch "Psi-Kater" nennen möchte, der sich im eher plötzlichen als nur allmählichen Umschlagen öffentlicher Meinung - nach der anfänglichen Haltung zumeist kritiklosen Glaubens, um nicht zu sagen Aberglaubens - geltend machte. Der eingangs beschriebene Auffassungswandel der Presse ist ja nur Ausfluß dieser Urhaltung breiter Schichten. Vor allem von links wittert man Gefährdung der Demokratie und der Willensfreiheit: "Doch der Umstand, daß sich Militärs für die Parapsychologie interessieren, erinnert Gluthammer daran, wieviel Aggression, Repression, Fachismus eigentlich in den Experimenten mit der Willenkraft liegen: Wer sich nicht biegt, wird gebogen. Immer wird jemandem der Wille eines anderen aufgezwungen ..."
     Die Frage, weshalb es sich bei PK-Demonstrationen in der Regel um Mini-Spuk, also letzlich um Unfug handelt, nicht aber handgreiflich Positives produziert wird, ist weithin ungeklärt.
     Bekannt sind aber die Reaktionsweisen von Laien auf parapsychologische Evidenzen. Niemand geringerer als der amerikanische Forscher G.N.M. Tyrrell hat das sehr klar ausgedrückt:
     "Entdeckungen, die Parapsychologen ans Licht gebracht haben, widersprechen heftig der allgemeinen Auffassung über das Wesen der Dinge. Man kann nicht Tatsachen wie Telepathie oder Präkognition (Vorhersehen) nehmen und sie einfach an dieses einmal anerkannte Verständnis ankleben. Die telepathie erfordert ein grundlegendes Umdenken der geläufigen Vorstellungen von der menschlichen Personalität; die Präkognition erfordert ein erfordertnliches Umdenken in den geläufigen Vorstellungen über die Zeit ... Das Gesamtbild der Welt, das durch die Entdeckungen der parapsychologischen Forschung notwendig wird, zerbricht den naiven Realismus, in dem der menschliche Geist befangen ist ... Ich glaube, daß die Abneigung gegen parapsychische Phänomene vor allem auf einem halbbewußten Instinkt beruht, der die Menschen bewegt, sich zur Verteidigung eines Realismus im Sinn des "gesunden Menschenverstandes" zusammenzutun. Es handelt sich dabei in gewissen Sinn um eine Art Reaktion zur Verteidigung eines Glaubensbekenntnisses ... Daher weicht bei den Menschen die Betroffenheit über Fälle von zwingender parapsychischer Evidenz und bisweilen selbst über eigene parapsychische Erfahrungen so rasch wieder dem gewohten Selbst- und weltverständnis..."
     Dem ist nichts hinzuzufügen.


    ©Paul Uccusic - reproduced with permission


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