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Magische Welt - November 2007



Interview mit dem Unterhaltungskünstler Uri Geller

Ich bin ein Showman




Das bereits im September aufgezeichnete Gespräch führte exklusiv für die mW Detlef Simon-Desimo.

mW:  Vor 35 Jahren, also noch vor der Wim Tholke Show, tratst Du in der Werner Hornung Show im Hamburger Operettenhaus. Kannst Du dich an diese Veranstaltung noch erinnern?

URI GELLER: Das weiß ich nicht mehr. Das ist ja schon so lang her.

mW: Du warst damals als Mentalzauberer angekündigt.

URI GELLER: Wirklich? Nein. Ich kann mich an die Show nicht erinnern.

mW: Uri, hättest Du jemals gedacht, dass Dein Auftritt bei Wim Tholke solch einen enormen Erfolg nach sich ziehen würde?

URI GELLER: Nein, niemals. Ich habe in dieser Show etwas erfunden, von dem ich selbst überrascht war. Als ich in die Fernsehkamera schaute und die Zuschauer zu Hause aufforderte, sie sollen ihre kaputten Uhren hervorholen und sich ihr Besteck anschauen. Ich war total überrascht von der Reaktion darauf. Ich habe nicht geahnt, dass ich bei den Menschen zu Hause etwas bewirken könnte. Es haben Tausende von Zuschauren angerufen. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Es war für Wim Tholke wohl auch die beste Show, die er je gemacht hatte. Und das ist für Euch Zauberer eigentlich das Wesentliche. Wie soll ich es sagen? Es spielt keine Rolle, wie ich oder was ich mache. Ich hinterlasse meine Darbietung immer wie ein Mysterium. Es liegt bei Euch, ob ihr daran glauben wollt oder nicht. Das ist mir egal. Aber, und das ist ein großes ABER, es verblüfft mich, was bei den Menschen zu Hause geschieht. Nehmen wir die Uhren. Sagen wir, dass von 100 Uhren etwa die Hälfte wieder anfängt zu ticken; durch Schütteln, Wärme oder sonst was. 25 Prozent der Anrufer spinnen nur Geschichten darum, aber dann bleiben immer noch die 25 Prozent, bei denen doch etwas „mysteriöses“ geschehen ist. Und das fasziniert mich, und das hat mich so geschockt: Wow, ich kann in den Häusern von Menschen etwas bewirken.

Wenn du über Charisma und eine großartige Persönlichkeit verfügst, und Du genau weißt, was du sagen willst, dann ist es egal, was Du machst. Dann spielt der Akt überhaupt keine Rolle. Man wird Dich mögen.

mW: Okay. Wie siehst Du Dich? Was ist dein Beruf?

URI GELLER: Ich glaube, ich bin beides: ein großartiger Showman, ich kam schon so auf die Welt. Viele sehen das als etwas Negatives an, ich finde es nicht. In meiner Show sagte ich, dass auch Clinton ein guter Showman ist, auch Eure Frau Merkel ... (Uri beginnt weit auszuholen, wer alles für ihn ein Showman ist...)

mW: ...Uri, zurück zur Frage. Was ist deine andere Seite. Du sagtest, das zwei Dinge auf dich zutreffen:

URI GELLER:  ... hm ... ich glaube, dass ich in erster Linie ein Showman bin. Ich habe eine natürliche Begabung, um mich zur Schau zu stellen, was einen großartigen Vorführer aus mir macht. Und das sage ich nicht, um anzugeben, das brauche ich nicht mehr - aber ich will es als Rat für Euch Zauberer sagen: Seit zu allererst Showman, ein Unterhalter, habt Charisma...

(Uri wiederholt sich, siehe oben)...

mW: Okay, okay. Danke, Uri. - Wir haben einige Mentalzauberkünstler in unserem Land gebeten, Fragen an dich zu stellen. Fairerweise muss ich sagen, dass fast alle diese Kollegen Dir mit einem gewissen Respekt begegnen.

URI GELLER: Ja, das ist gut. Das habe ich auch inzwischen rausgefunden. Ich dachte immer, dass die meisten Zauberer mich nicht leiden können, aber das ist ganz offensichtlich nicht so. Es war mir eigentlich auch egal, denn ich habe mich nie als Zauberer bezeichnet und nenne mich auch immer noch nicht so. Abgesehen davon, ich kenne auch kaum Zauberer. Ich kenne David Blaine, Chris Angel, den ich jetzt für die NBC-Show kennen gelernt habe, und ich kenne David Berglas, der ein guter Freund geworden ist. Mehr kenne ich nicht.

mW: Kommen wir zu den Fragen. Bernhard Wolf interessiert:  Ist es nich frustrierend, immer auf den „Löffelverbieger“ reduziert zu werden?

URI GELLER: Das ist eine sehr gute Frage. Natürlich habe ich manchmal die Nase voll davon. Aber ich muss das natürlich respektieren. Die nummer mit dem Löffelverbiegen hat mich weltberühmt gemacht. Das ist ein Fakt. Soll ich mich darüber beklagen? Nein. Ich betrachte den Löffel ja auch als Kunstwerk. Der Löffel begleitet uns durchs ganze Leben. Wir nehmen ihn die Hand, führen ihn zum Mund. Ich liebe Löffel. Du weißt ja vielleicht, dass ich einen Cadillac zu Hause habe, auf dem sich Hunderte von Löffeln befinden. Auch jetzt, bei der Veranstalung in Hannover. Ich habe dem Chef gesagt, er solle den Fokus nicht auf das Löffelverbiegen legen. Darum geht es in meiner Show nicht mehr. Ich spreche über Motivation, positives Denken. Das ist heute mein Thema. Ich benutze das Löffelverbiegen nur als Placebo-Effekt. Ich sage den Zuschauern, dass ich ihnen zeigen werde, womit ich vor über 20 Jahren bekkant geworden bin. Wenn das Kinder sehen, sind sie sehr verwundert. Denn sie sind von der Zauberei fasziniert. Sie lieben faszinierende Dinge, übernatürliche Dinge, eben außergewöhnliche Dinge. Ich kann die Kinder aber über diese Faszination hinaus erreichen und ihnen Werte mit geben: raucht nicht, geht zur Schule, lernt etwas, fasst keine Drogen an, denkt positiv.

(Der Kellner „stört“, bringt Tee, und Uri will die Rechnung übernehmen und bittet den Kellner, den Betrag auf seine Zimmerrechnung zu setzen, jedoch: „Ich habe mein Zimmernummer vergessen, aber wenn Sie unter Geller nachschauen, finden Sie sie.“

Auf der einen Selte sind wir amüsiert und verblüfft, dass ein „Mentalist“ seine Zimmernummer vergessen kann, auf der anderen Seite betrachten wir dies als ein durchaus bewusstes Spiel, das Geller spielt, um sich als „normal“ zu zeigen. Dass er dieses Spiel perfekt beherrscht, und dass ein Spiel ist, wird uns zwei Tage später bestätigt, als wir Geller in der Kerner-Talk-Show erleben. Auch hier erwähnt er ganz beiläufig, dass er sogar seine heutige Hotelzimmernummer vergessen habe... Überhaupt stellen wir fest, dass Uri fast 1 zu 1 dieselben Antworten auf Kerners Fragen gibt, auch, wenn die Antworten öfter nicht zu den Fragen passen... Er ist halt ein Voll-Profi...)

mW: Guido Schmalriede fragt in seiner Rolle als „van Posen“: Deine besondere Fähigkeit ist ja ein Geschenk Wie gibst Du dieses Geschenk an die Menschen zurück?

URI GELLER: Ich gebe es auf verschiedene Arten zurück. Am häufigsten im Bereich der Menschlichkeit. Schau, vor eineger Zeit gab es einen Streit zwischen dem Verband „Palestinian Red Crescent“ und dem Israelischen Gegenstück, „Magen David Adom“, ebenfalls ein Wohltätigkeitsverein - ein bisschen dem „Roten Kreuz“ änlich. Man bat mich, den Streit zu schlichten. Man ernannte mich zum Vize-Präsidenten von „Magen David Adom“, damit ich offziel beauftragt war zu verhandeln. Ich reiste viel und sprach mit vielen Menschen auf beiden Seiten. Dann trafen wir uns in Genf, zusammen mit vier Ministern. Ich nahm einen Löffel und zeigte den Palästinensern, wie er sich langsam verbog. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Sie waren schockiert. Aber das Eis zwischen beiden Vereinigungen war gebrochen und wir fanden schließlich eine Einigung.

mW: Guido fragt weiter: Fühlst Du dich verlezt, wenn man Dich als Scharlatan bezeichnet?

URI GELLER: Ja, wenn ich zurück an meine Anfänge denke, war ich schon sehr verletzt, wenn man mich als Scharlatan bezeichnete. Ich war sehr jung und natürlich auch sehr eitel. Aber dann machte ich eine entscheidende Erfahrung. Es was in der bekannten Johnny Carson Show in den USA. Ich saß dort 22 Minuten lang, und letztendlich wurde ich von Johnny Carson beschämt. Es klappte nämlich absolut nichts in dieser Show. Carson hatte vorher mit Randi gesprochen und hatte mit ihm Experimente für mich vorbereitet. Es klappte nichts. Ich saß da, mir lief der Schweiß herunter und ich hatte nur einen Gedanken: „Uri, Du bist am Ende. Das is Dein Aus.“ Jeder hatte mir vorher erzählt, dass die Johnny Carson Show die bekannteste und größte Talkshow in Amerika sei. Wenn du ES in Amerika schaffen willst, dann musst Du in seine Show gehen. Als ich das Studio verließ dachte ich, das ist nun das Ende meiner Karriere. Aber, genau das Gegenteil trat ein Am nächsten Tag riefen mich so berühmte Leute wie Merv Griffin und Michael Douglas an ... und das war mein Tag. Da begriff ich, dass es nichts Wichtigeres gibt, als Publicity. Die Skeptiker, die haben mich zu dem Uri Geller gemacht. Man kann keine „Kontroverse“ kaufen. James Randi hat mich nicht nur berühmt gemacht, sondern durch ihn wurde ich auch ein Millionär. Das ist die Dummheit der Skeptiker: anstatt mich zu vergessen, mich zu ignorieren, beschäftigen sie sich mit mir und machen mich dadurch noch größer.

Was ich nicht mag ist, wenn man mich persönlich angreift. Wenn man mich zum Beispiel mit Schimpfwörtern betitelt – dann gehe ich auch bis vor das Gericht.

mW: Kanntest Du Randi schon vorher?

URI GELLER: Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht. Ich glaube er hat in den frühen 1970ern mal einen Brief an das israelische Fernsehen geschrieben. Weißt Du, ich halte es mit Oscar Wilde (16.10.1854 – 30.11.1900), der einmal gesagt haben soll: „Es gibt nur eine Unannehmlichkeit, die peinlicher ist, als in aller Munde zu sein: nicht in aller Munde zu sein.“  Immerhin, nach fast 40 Jahren in diesem Geschäft, bin ich immer noch da. Und jetzt gibt es sogar eine Show, die weltweit von den Fernsehanstalten produziert wird. The Successor. Hey, was will ich mehr?!

mW: Kommen wir zu der Fernsehshow, The Successor. Was willst Du damit erreichen?

URI GELLER: Ich möchte einfach das Beste sehen, was möglich ist. Es ist mir egal, ob es ein Zaubertrick, ein echtes Phänomen, oder was auch immer ist. Es soll mich verblüffen. Es soll die Zuschauer verblüffen. Weißt Du, ich habe mich ja auch in den letzten Jahren verändert. Ich sage nicht mehr, dass ich übernatürliche Kräfte besitze. Ich bin ein Entertainer, ich will eine gute Show machen. Mein gesamter Charakter hat sich verändert.

mW: Fühlst Du dich für das, was du bei anderen bewirkst, indem sie an Dich glauben, verantwortlich?

URI GELLER: Nein. Ich habe ja niemanden verletzt, ich tue keinem etwas zu leide. Ich habe niemanden bestohlen. Es ist ein Placebo-Effekt, der entsteht und den ich auslöse. Das ist alles.  Ich will es verdeutlichen: Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, dass es keine wirklichen „Heiler“ gibt. Und wir wissen, dass die Leute, die diese „Scheinoperationen“ bei einem krebskranken Menschen durchführen, in Wirklichkeit eine Schweineleber kurz zuvor auf dem Markt gekauft haben, und sie dann als den Tumor aus dem Leib des Patienten ziehen. Aber der Placebo-Effekt vermag beim Patienten dazu dienen, dass er vielleicht noch einen Monat länger lebt. Wenn Du Kopfschmerzen hast, und ich gebe dir eine Placebo-Pille, wirst Du nach kurzer Zeit das Gefühl haben, die Schmerzen seien verschwunden. Das ist alles. Ich habe niemanden geheilt. Heute gebe ich auch eine Menge zurück, wie wir ja schon besprochen haben.

mW: Toni Forster: Was glaubst Du, wie wird sich die Mentalzauberei weiterentwickeln?

URI GELLER: Noch mal, ich bin kein Zauberer. Ich glaube auch, dass ich keine Zauberer in der Show haben möchte. Ich möchte niemanden, der eine Frau zersägt oder so etwas macht. Ich möchte unglaubliche Phänomene sehen. Ich habe ja selbst keine Ahnung von der Zauberei. Ich bin einmal in einer Zaubersendung aufgetreten, bei John Fisher in England. Er bat mich darum und ich dachte, warum nicht. Ich musste dazu einige Handgriffe lernen, aber es fiel mir so schwer. Ich bin einfach viel zu ungeschickt dafür.

mW: Toni Forster fragt auch: Arbeitest Du an einem neuen Effekt?

URI GELLER: Nein. Nicht. Eben, weil ich nicht mehr in diese Richtung denke. Ich nutze meine Möglichkeiten jetzt anders. Ich halte Motivationsvorträge und kümmere mich um andere Sachen.  Damit kann ich den Menschen viel direkter helfen. Wenn ich sie motiviere, sie zum positiven Denken anrege.

mW: Was ist deine Motivation, immer noch aufzutreten?

URI GELLER: Ich habe es ja schon gesagt, ich bin ein Showman. Ich muss einfach auftreten.

mW: Ein weiterer Mentalist, Thorsten Havener, hat die Erfahrung gemacht, dass die Medien lange Zeit kein Interesse an der Mentalzauberei hatten. Du warst damals in aller Munde, dann gab es eine lange Pause. Erst jetzt sind solche Phänomene wieder gefragt. Er möchte gern Deine Meinung dazu kennen lernen, warum es eine so große Pause gab. Hast Du eine Idee?

URI GELLER: Ich glaube, dass man den Erfolg, den ich in den Siebzigern hatte, nicht wiederholen kann.  Meine Erklärung dazu ist: Wir lebten damals in einer Zeit ohne Computer, ohne Internet, ohne diesen raschen Informationsaustausch. Wenn es damals, also 1970, 1972 Internet, E-Mails etc. gegeben hätte, wäre ich wahrscheinlich sofort von den Skeptikern vernichtet worden. Die Skeptiker brauchten 20 Jahre, um aufzuwachen. Aber in der Zwischenzeit war ich bereits ein Multimillionär.

mW: Was sagst Du heute zu den Diskussionen im Internet über Dich?

URI GELLER: Jetzt ist das alles nur noch weitere Werbung für mich. Schau mal, wie bei YouTube darüber diskutiert wird, ob ich einen Magneten am Daumen trage oder nicht.

(Uri zeigte in der israelischen Sendung „The Successor“ wie er einen Kompass beeinflussen kann; www.youtube.com/watch?v=BJSxsbToLeE, das Video auf YouTube findet man unter den Stichworten: The Moment Uri Geller Cheats.)

Mal ehrlich Jungs, ich frage jetzt Euch beide, ich glaube Ihr seid gute Zauberer, glaubt Ihr wirklich, dass Uri Geller so dumm ist, sich einen Magneten auf den Daumen zu setzen? Und das direkt vor den Augen der Kamera?

mW: Keine Ahnung...

URI GELLER: Es war auf jeden Fall grandiose Werbung für meine Show auf NBC. In der Tat hat ein Produzent von NBC danach gesagt: „Je mehr Kontroverse Uri Geller kreiert, desto interessanter wird unsere Show und desto mehr Zuschauer bekommen wir.“

mW: Vielen Dank für das Gespräch, Uri Geller.

Wie schon in der letzten mW angekündigt (siehe S. 290) wird der Sender ProSieben im kommenden Januar eine neue Casting-Show präsentieren: „The next Uri Geller – Unglaubliche Phänomene Live“.  Nach einer Idee von URI GELLER, der bereits in seinem Heimatland Israel eine ähnliche Sendung vorstellte, werden Mentalisten und andere Vorführer eingeladen, verblüffende Phänomene zu demonstrieren. Start ist der 8.1.2008.

Während des Redaktionsschlusses dieser mW-Ausgabe wurden bereits fünf Folgen der amerikanischen Version ausgestrahlt. Lesen Sie dazu MARK SCHMIDTS Eindrücke. Auf Seite 346 finden Sie eine Liste mit den Kanditaten, die im Oktober und November für Deutschland ausgesucht wurden.


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